
Ferneinweihungen im Reiki – Meine persönliche Haltung
Ein aktuell viel diskutiertes Thema in der Reiki-Szene ist das sogenannte Ferneinweihen – also die Einweihung in verschiedene Reiki-Grade, ohne dass ein Reiki-Lehrer persönlich anwesend ist.
Immer wieder werde ich gefragt, wie ich persönlich dazu stehe. Dieser Artikel ist meine ehrliche Antwort.
Ein Vergleich aus dem Kampfsport
Ich selbst war viele Jahre Kampfsportler und habe intensiv trainiert. Deshalb möchte ich mit einem Vergleich beginnen.
Vor einiger Zeit traf ich einen Kampfkünstler, der mir erzählte, er sei auch Reiki-Meister. Auf meine Frage, wer sein Lehrer gewesen sei, antwortete er, er habe alle Grade – bis hin zum Reiki-Lehrer – per Ferneinweihung über das Internet erhalten.
Die Einweihungszeremonie habe er als PDF-Datei per E-Mail bekommen. Er wisse genau, was zu tun sei, sagte er.
Ich fragte ihn daraufhin, wer mein Kampfsportmeister sei.
Ich antwortete, ich hätte ein paar gute Bücher gelesen und sei nun bereit, als Schwarzgurt andere auszubilden.
Sein entsetzter Blick sprach Bände.
Natürlich meinte ich das nicht ernst. Ich wollte ihm lediglich verdeutlichen, wie absurd es wäre, im Kampfsport ohne persönliche Anleitung Lehrer werden zu wollen. Warum sollte das im Reiki anders sein?
Verantwortung beginnt dort, wo man Lehrer wird
Sobald man Schüler ausbildet, trägt man Verantwortung – in jeder Disziplin.
Im Kampfsport braucht es Jahre intensiven Trainings, bevor man unterrichten darf. Ohne Erfahrung könnte man Techniken falsch vermitteln oder sogar Verletzungen riskieren.
Und im Reiki?
Auch hier geht es nicht nur um Techniken, sondern um Begleitung, Erfahrung und energetisches Verständnis. Ein Lehrer sollte nicht nur wissen, was zu tun ist – sondern auch warum, wann und wie.
Ein reales Beispiel aus der Praxis
Vor einiger Zeit wurde mir folgende Geschichte zugetragen:
Eine junge Frau absolvierte ihren Reiki-Meistergrad bei einer Lehrerin, die selbst ausschließlich per Ferneinweihung ausgebildet worden war.
Die Schülerin hatte zuvor keinen einzigen Reiki-Grad erhalten. Ihr wurde geraten, alle drei Grade – den ersten, zweiten und dritten – an einem einzigen Tag zu absolvieren.
Kurz darauf fiel sie in ein tiefes seelisches Loch.
Als sie ihre Lehrerin um Hilfe bat, erhielt sie die Antwort:
„Das ist dein Problem. Du bist jetzt Reiki-Meisterin.“
Mehr muss man dazu kaum sagen.
Warum Reiki in Grade unterteilt ist
Die Aufteilung in verschiedene Reiki-Grade hat einen Sinn.
Ein verantwortungsvoll ausgebildeter Lehrer weiß, dass sich das Energiesystem – insbesondere das Chakrensystem – schrittweise an neue Energien anpassen sollte.
Wäre das nicht notwendig, hätte man die Grade nie eingeführt. Dann könnte jeder Mensch sofort in den dritten Grad eingeweiht werden.
Doch die Erfahrung traditioneller Lehrer zeigt: Entwicklung braucht Zeit.
Mein eigentlicher Kritikpunkt
Ich habe nichts dagegen, wenn jemand für sich selbst eine Reiki-Einweihung über das Internet erhält.
Wer für sich üben oder Reiki praktizieren möchte – bitte.
Problematisch wird es für mich dort, wo Menschen ohne fundierte Ausbildung selbst Lehrer werden wollen. Dort beginnt ein Bereich, den ich persönlich nicht mehr gutheißen kann.
Denn hier geht es nicht mehr nur um persönliche Spiritualität – sondern um Verantwortung gegenüber anderen.
Wenn Überzeugungen plötzlich flexibel werden
Was mich nachdenklich gemacht hat, war eine Entwicklung während der Corona-Zeit.
Viele etablierte und bekannte Reiki-Lehrer hatten jahrelang betont, dass Online-Reiki-Kurse oder Ferneinweihungen für sie ein absolutes No-Go seien. Sie sprachen von fehlender energetischer Präsenz, mangelnder Tiefe und Qualitätsverlust.
Und dann kam Corona.
Plötzlich waren Ferneinweihungen kein Problem mehr.
Plötzlich funktionierten Reiki-Einweihungen auch über Zoom.
Plötzlich war das, was vorher unmöglich schien, doch machbar.
Natürlich standen viele Selbstständige damals unter Druck. Seminare fielen aus, Einnahmen brachen weg. Anpassung war wirtschaftlich nachvollziehbar.
Aber genau hier stelle ich mir eine wichtige Frage:
Wie stabil ist eine Überzeugung, wenn sie sich ändert, sobald es finanziell eng wird?
Für mich persönlich ist Integrität kein Modell, das man je nach äußeren Umständen austauscht. Wenn ich über Jahre öffentlich vertrete, dass etwas nicht dem Wesen von Reiki entspricht, dann sollte ich diese Haltung nicht aufgeben, nur weil sich die Rahmenbedingungen ändern.
Ich verurteile niemanden – aber ich habe für mich entschieden, diesen Lehrern den Rücken zu kehren.
Nicht aus Rebellion, sondern aus dem festen Bestreben, meiner inneren Überzeugung und der authentischen Reiki-Praxis treu zu bleiben.
Die Versuchung der schnellen Lösung
Wir leben in einer Zeit, in der alles schnell gehen soll.
Da wirkt es verlockend, sich eine Einweihung „nach Hause liefern“ zu lassen – fast wie eine Bestellung im Onlinehandel. Und oft ist es günstiger als ein Seminar.
Ein scheinbares Schnäppchen.
Doch Qualität entsteht nicht durch Geschwindigkeit.
Tradition und Verantwortung
Reiki hat eine lange Tradition, begründet von Mikao Usui.
Diese Tradition verdient Respekt.
Für mich bedeutet authentisches Reiki:
- Lernen im direkten Austausch
- Begleitung durch einen erfahrenen Lehrer
- Zeit zur Integration
- Verantwortung im Umgang mit Schülern
Ich habe den Anspruch, meinen Schülern nicht nur Techniken zu vermitteln, sondern auch meine persönlichen Erfahrungen weiterzugeben – inklusive Fallbeispielen aus der Praxis.
Mein Fazit
Reiki ist keine Ware.
Kein Download-Produkt.
Kein Dumpingartikel.
Es ist eine spirituelle Praxis mit Tiefe, Verantwortung und Geschichte.
Wer also wirkliche authentisches Reiki lernen möchte, sollte den Weg zu einem erfahrenen, real präsenten Lehrer suchen – und bereit sein, Zeit und Engagement zu investieren.

